Qualität ist formbar

TVB

Technische Vertragsbedingungen Stand 09/11

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Abschnitt 1:          Mitwirkung des Kunden

Allgemeine Bedingungen (alle Werkzeugtypen)

1.1 Maschinendaten und Einbauzeichnungen

(1) Der Kunde ist für die rechtzeitige Bereitstellung der zur Werkzeuganfertigung erforderlichen Maschinendaten verantwortlich.

(2) Der Kunde muss die für die Vertragserfüllung erforderlichen Maschinendaten und die für die Konstruktion des Werkzeugs notwendigen Einbauzeichnungen für die Maschine beistellen. Die Lieferzeit verlängert sich um die Dauer der Klarstellung.

1.2 Anschlüsse                                    

Die Werkzeuganschlüsse für Druckluft und Wasser sind müssen uns vor Konstruktionsbeginn schriftlich mitgeteilt werden.

Zusätzliche technische Vertragsbedingungen für Formschnitt- und Thermoformfolgeschnittwerkzeuge

1.3 Festlegung der Haltepunkte

Die Haltepunkte (Unterbrechungen der Schnittlinien nach den Anforderungen des herzustellenden Endprodukts und der weiteren Bearbeitungsschritte nach dem Stanzvorgang) sind vom Kunden zu definieren (Position, Form, Größe) und verbindlich festzulegen.

Zusätzliche technische Vertragsbedingungen für Thermoform- und Thermoformfolgeschnittwerkzeuge

1.4 Testmaterial, Beistellung durch den Kunden, Folieneigenschaften                      

(1) Das Material für einen eventuell vereinbarten Testlauf, das Einfahren des Werkzeugs und eventuelle Prozess-Optimierungsarbeiten muss vom Kunden für uns kostenfrei beigestellt werden.

(2) Die Folienqualität und Eigenschaften des Testmaterials müssen der endgültig im Produktionsprozess verwendeten Folie entsprechen.

Die Folie muss

  • gleichmäßig verformbar sein
  • generell den Ansprüchen des vertraglich vorgesehenen Prozesses genügen
  • in den Eigenschaften (z.B. Zähigkeit, Brüchigkeit oder andere, den Produktionsprozess beeinflussende mechanische und chemische) den marktüblichen Werten entsprechen,

sofern in der Auftragsbestätigung keine besonderen Vorgaben enthalten sind.

Bei neuen Materialien oder Materialkombinationen müssen erforderlichenfalls Untersuchungen oder Tests vom Kunden veranlasst werden oder eine Entwicklungsvereinbarung gemäß Abschnitt 2 getroffen werden.

(3) Erscheinen Qualität oder Eigenschaft der Folie generell oder für den Bearbeitungsprozess oder für das herzustellende Produkt oder die folgenden Bearbeitungsschritte problematisch, werden wir auf die nach den Auftragsdaten erkennbaren Problemstellungen hinweisen. Besteht der Kunde auf der Festlegung trotz unseres Hinweises, ist die Gewährleistung und Haftung beschränkt auf Mängel und Mangelfolgen, welche auch eingetreten wären, wenn der Kunde dem Hinweis gefolgt wäre.

1.5           Schrumpfvorgaben                             

(1) Der Schrumpf der mit dem Werkzeug zu bearbeitenden Materialien wird unter anderem beeinflusst durch dessen physikalische und chemische Eigenschaften, den Materialzusätzen, der Extrusion, den Prozesseinstellungen an Extruder sowie der Vorheizung/Heizung und der Maschine. Einfluss können auch die Artikelgeometrie und die Materialverteilung im Artikel und die Materialzufuhr (Reckrichtung) in das Werkzeug haben. Die Schrumpfvorgaben haben vom Kunden zu erfolgen.

(2) Auf Wunsch des Kunden können wir eigene Erfahrungswerte verwenden. Für die endgültige Form kann dann aber keine Gewährleistung oder Haftung übernommen werden.

(3) Näherungswerte können auch über die Erprobung durch ein Testwerkzeug oder einen Entwicklungsauftrag gemäß Abschnitt 2 gefunden werden.

Zusätzliche technische Vertragsbedingungen für Schaumwerkzeuge

 1.6 Geometrie der Formstationen, Materialeigenschaften

 (1) Bei der Konstruktion des Schaumwerkzeugs berücksichtigen wir die Geometrie der Formstationen auf der Grundlage der vom Kunden übergebenen Daten.

(2) Die besonderen Anforderungen der Werkzeugkonstruktion für den Schäumprozess sind vom Kunden festzulegen. 

(3) Soll eine besondere Oberflächenbeschaffenheit der mit dem Werkzeug herzustellenden Produkte erreicht werden, muss dies prozessbedingt oder aus Gründen der Geometrie der Formstationen bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Die Anforderungen hat der Kunde bei Wunsch oder Notwendigkeit rechtzeitig festzulegen.

(4) Materialeigenschaften, insbesondere Raumgewicht, Dichte, Stauch-/Eindruckhärte, Kompressibilität des Materials und die Reaktionseigenschaften der Stoffe im Formteilprozess (Erhitzung mit Wasserdampf oder el. Heizung), sowie die materialbedingten Eigenschaften der durch den Prozess hergestellten Produkte (z.B. Expansion) verantwortet der Kunde selbst. 

Abruf von Beratungsleistungen und Rechtsfolgen bei Verstoß gegen die technischen Mitwirkungspflichten

1.7 Abruf von Beratungsleistungen, Hilfestellung

Sofern dem Kunden keine Erfahrungswerte oder eigene Erkenntnisse vorliegen, können wir bei der Ermittlung der erforderlichen Vorgaben und der Definition und Festlegung der für die Werkzeugkonstruktion erforderlichen Parameter unterstützen. Wir haften in diesem Fall nicht für Mangelfolgeschäden. Die Gewährleistung für das Werkzeug bleibt im Übrigen unberührt.

1.8 Mitwirkungsbedingte Mängel, Schäden, Verzögerungen, Mehraufwendungen

(1) Für Mängel, oder Schäden, die auf der Verletzung der Mitwirkungspflichten des Kunden nach  diesem Abschnitt  oder auf Abweichungen von den vereinbarten Folienqualitäten oder Folieneigenschaften (Abschnitt 1.4) oder Materialeigenschaften (Abschnitt 1.6)  beruhen, gilt Abschnitt 14 (7) der AGB KRETSCHMAR.

(2)  Für Verzögerungen finden Abschnitt 6 (2) und (4) der AGB KRETSCHMAR Anwendung.

(3) Mehraufwendungen trägt der Kunde gemäß Abschnitt 4 (7) der AGB KRETSCHMAR.

Abschnitt 2:          Werkzeugentwicklung, Rechte am Arbeitsergebnis

(1) Entwicklungsdienstleistungen bedürfen einer gesonderten ausdrücklichen Vereinbarung. Der Entwicklungserfolg ist nicht geschuldet, wenn nichts anderes ausdrücklich vereinbart wurde.

(2) Soweit nichts anderes vereinbart ist bleiben von uns entwickelte Vorrichtungen, Werkzeuge, Prozesse, Verfahren, etc. unser materielles und geistiges Eigentum. Dem Kunden wird ein nicht ausschließliches, auf die vertraglich vorgesehene Nutzung des entwickelten Werkzeuges beschränktes Nutzungsrecht übertragen. Entsprechendes gilt für nutzbare Teilerfolge nach vorzeitiger Beendigung des Entwicklungsauftrages.

(3) Ergeben sich während der Entwicklungsarbeiten neue Erkenntnisse, die das Ergebnis der Entwicklung, die geplanten Kosten, den geplanten Zeitrahmen oder sonstige Rahmenbedingungen maßgeblich verändern, so informieren wir den Kunden im ordentlichen Geschäftsgang. Beide Parteien haben das Recht den Entwicklungsauftrag mit Wirkung für die Zukunft zu beenden (Kündigung), wenn binnen zwei Wochen nach Zugang der Information kein Einvernehmen über die weitere Entwicklungsarbeit hergestellt werden kann.

Abschnitt 3:          Inbetriebnahme beim Kunden, Prozessoptimierung

Sofern im Einzelfall nichts anderes vereinbart ist, ist eine Inbetriebnahme beim Kunden oder eine Mithilfe im Rahmen der Optimierung der Herstellungsprozesse mit unseren Werkzeugen nicht geschuldet.

Abschnitt 4:          Besondere Untersuchungspflichten, Gewährleistung, Haftung

4.1           Besondere Anforderung zur Untersuchungs- und Rügepflicht, Nachbesserung

(Ergänzung zu Abschnitt 13 und 14 der AGB KRETSCHMAR)

 (1) Der Kunde hat bei Anlieferung die richtige und vollständige Werkzeugausführung anhand seiner Bestellvorgaben visuell zu prüfen.

(2) Rechtzeitig vor Aufnahme der Produktion ist das Werkzeug vom Kunden auf Funktion, Maßhaltigkeit und Güte zu überprüfen. Mit jedem Formschnittwerkzeug ist ein Muster zu stanzen. Für Folgeschäden, welche bei einer rechtzeitigen und ordentlichen Kontrolle des Werkzeugs oder des Musters nicht entstanden wären, übernehmen wir keine Haftung.

(3) Für die Bearbeitung einer Mängelrüge und die Feststellung eines Mangels wird eine genaue Beschreibung des Mangels oder seiner Auswirkungen, nach Möglichkeit ein gestanztes Muster oder Schaumteil und erforderlichenfalls Zugang zum Werkzeug und der vorgesehenen Maschine benötigt.

(4) Der Kunde das Werkzeug zur Mangelbeseitigung im Regelfall an uns zurückzuliefern. Die notwendigen Versandkosten für Rücklieferung und Wiederanlieferung übernehmen wir, wenn und soweit der Kunde eventuelle Versandanweisungen von uns nicht missachtet.    

(5) Für die Beseitigung eines Mangels ist das Werkzeug erforderlichenfalls in der Maschine kostenfrei für einen angemessenen Zeitraum zur Verfügung zu stellen. Dies gilt nicht, wenn die Durchführung der Nachbesserung im Hause des Kunden mit nicht zumutbaren Aufwendungen für den Kunden verbunden wäre.

4.2           Keine Haftung für Schäden aufgrund ungeeigneter Umgebungsbedingungen

4.2.1        Transport

(1) Alle Werkzeuge sind nach einem Transport insbesondere durch Lösen der Schrauben zu entspannen und bei einer Temperatur von 20°C ordnungsgemäß neu zu justieren.

(2) Aufgrund der Erschütterungen beim Transport sind vor Inbetriebnahme alle Schrauben und Befestigungen durch einen Fachmann auf festen Sitz zu überprüfen.

4.2.2        Umgebungs- / Betriebstemperaturen

(1) Eine wesentliche Über- oder Unterschreitung der Umgebungstemperatur von 20°C kann zu Schwitzwasser und Maßveränderungen führen. Die Temperierung des Werkzeuges mit einer ausreichend leistungsstarken Anlage ist Sache des Kunden. Eine reine Kühlung mit Kaltwasser ist oft nicht ausreichend.

(2) Temperaturüberwachung: Bei kombiniert arbeitenden Thermoformwerkzeugen ist eine Temperaturüberwachung im Werkzeug nötig, welche bei zu hohen Temperaturdifferenzen zwischen Ober- und Unterwerkzeug einen Maschinenstopp auslöst.

4.2.3        Umgebungsbedingungen, Betriebsstoffe

(1) Kühlwasser, Umgebungsluft, Druckluft, Sauberkeit usw.)  müssen mindestens den Anforderungen des Produktionsprozesses und der Maschinenspezifikation entsprechen und in geeigneter Qualität und Menge zur Verfügung stehen.

(2) Für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen sind die einschlägigen Sonderbedingungen zu beachten.

(3) Die regelmäßige Wartung der medienberührten Bauteile im Werkzeug ist zu beachten. Sofern die Medien nicht den Optimal-Werten entsprechen, sind die Wartungsintervalle entsprechend zu verkürzen oder wenn verfügbar eine den Medienbesonderheiten entsprechende Ausführung des Werkzeugs oder seiner Komponenten zu bestellen.

(4) Insbesondere die Wasserqualität muss zum Betreiben von Werkzeugen und Maschinen geeignet sein.

4.2.4        Umgebungsbedingungen / Lagerung

(1) Das Werkzeug ist teilweise zum Schutz gegen Korrosion beschichtet. Diese wirkt grundsätzlich nur korrosionshemmend.

(2) Um eine möglichst lange Lebensdauer der Komponenten zu erhalten muss das Werkzeug sachgerecht eingelagert werden. Es darf sich zu keiner Zeit stehendes Wasser am oder im Werkzeug befinden.

(3) Bei längerer Einlagerung müssen die Bauteile mit zugelassenen Ölen gepflegt werden. Die Lagertemperatur darf 10° C nicht unterschreiten, da sonst unter anderem die Dichtungen vorzeitig spröde werden können.

(4) Grundsätzlich muss vor der Inbetriebnahme nach längerer Zeit der Einlagerung ein kompletter Funktionstest gemacht werden.

4.2.5        Neuinbetriebnahme

Bedingt durch Fertigungsverfahren, Wartungs- oder Reparaturarbeiten, Transport und Lagerung können sich Rückstände im Werkzeug angesammelt haben die sich erst mit der Inbetriebnahme lösen und trotz größter Sorgfalt nicht im Vorfeld erkannt worden sind. Vor der Produktionsfreigabe sind daher Reinheit und Maßhaltigkeit der Vorserie genau zu überprüfen.

4.3           Gewährleistung für Taktzahlangaben                                              

(1) Die von uns genannten Zieltaktzahlen basieren einerseits auf unseren Erfahrungswerten über durchschnittlich leistungsfähige Maschinen und Produktionsanlagen, oder bei Kenntnis der Maschinen und Anlagen des Kunden deren vorhersehbar zu erwartende Leistungsfähigkeit. Andererseits beruht die Angabe auf den uns bekannt gegebenen Anforderungen an das fertige Produkt und dessen vorhersehbare Materialeigenschaften.

(2) Neben der reinen Prozesszeit wird die Taktzahl von etlichen weiteren Faktoren bestimmt, welche nicht durch unser Werkzeug beeinflusst werden können. Die Angaben können daher nicht verbindlich sein und beziehen sich auf eine Anlage in optimalem Zustand sowie mittlere Anforderungen an die Qualität und Maßhaltigkeit des Produktes.

(3) Für eine exaktere Taktzahl-Einschätzung kann mittels Testwerkzeug eine Prozesszeitanalyse angestellt werden. Wird die reine Prozesszeit zu den Nebenzeiten der Anlage addiert, kann eine relativ genaue Taktzahlschätzung erfolgen.

4.4           Wartung, Qualitätskontrolle im Prozess, Korrosionsschutz, Bedienungsanleitung

(1) Um eine zuverlässige Funktion der Werkzeuge zu gewähren, ist eine regelmäßige Wartung zwingend erforderlich. Neben den üblichen Nachschärfzyklen wird eine regelmäßige Überprüfung und der vorsorgliche Austausch von Verschleißteilen (z.B. Dichtungen, Bürsten, etc) empfohlen. Alle Arbeiten sind von einem Werkzeugexperten durchzuführen.

(2) Zu beachten ist auch, dass Verschleißteile wie Dichtungen zum Teil ohne vorher ersichtliche Verschleißerscheinungen Defekte aufweisen können. Um eventuelle Auswirkungen auf die Produktion sofort erkennen zu können, ist es daher notwendig, eine dauerhafte produktionsbegleitende Qualitätskontrolle der mit dem Werkzeug hergestellten Produkte durchzuführen.

(3) Wir übernehmen keine Verantwortung für Folgekosten oder Schäden, welche auf eine zu späte, unzureichende oder nicht fachgerechte Wartung oder eine unterlassene oder unzureichende produktionsbegleitende Qualitätskontrolle zurückzuführen sind.

Flein im September 2011

Kretschmar GmbH & Co KG